Selbstdarstellung

Offizielle Selbstdarstellung des DMK Berlin e.V.

Welche Richtung verfolgt der DMK? Diese Frage wird immer wieder an uns herangetragen, und aus diesem Grund hat der Vorstand (Schura) eine Selbstdarstellung des DMK verfasst, die darauf Antwort gibt. Es ist uns wichtig zu betonen, dass der DMK für alle Muslime offen ist und keine inhaltliche Ausrichtung vorschreiben will. Die Selbstdarstellung wurde allen Mitgliedern zugeschickt und in mehreren Sitzungen diskutiert. Alle Gemeindemitglieder hatten die Möglichkeit, Kritik oder weitere Vorschläge einzubringen, so dass wir den Text nun in dem Bewusstsein veröffentlichen können, dass er von der Gemeinde unterstützt und mitgetragen wird.

Der Deutschsprachige Muslimkreis e.V. – Gemeinsam Islam leben, Vielfalt als Bereicherung nutzen!

In der Gemeinde des Deutschsprachigen Muslimkreises Berlin e.V. (DMK) begegnen sich in Berlin lebende Muslime1 mit vielen verschiedenen Muttersprachen und Kulturen, die jedoch durch das einende Band des Islam und durch die deutsche Sprache miteinander verbunden sind. Wir fragen daher nicht, zu welcher islamischen Rechtsschule (Madhab2) die Besucher gehören, sondern bieten allen Muslimen die Möglichkeit, sich bei uns gleichberechtigt zu begegnen. Im DMK können sie neue Menschen kennen lernen, Freundschaften schließen, sich islamisches Wissen aneignen und sich in vielfältigen Aktivitäten zum Wohle von Muslimen und Andersgläubigen einbringen.

Qur’an und Sunna3 als Basis

Das Gemeindeleben des DMK e.V. hat den Qur’an, als das übermittelte Wort Allahs (t.4) an den Propheten Muhammad (s.a.s.5) und die Lebensweise des Propheten Muhammad (Sunna) zur Grundlage. Die Mitglieder des DMK e.V. sind davon überzeugt, dass der Qur’an die abschließende und umfassende Offenbarung Allahs ist.

Glaubensgrundlagen und Praxis

Wir sind davon überzeugt, dass der Prophet Muhammad der letzte einer langen Reihe von Propheten (a. s.6) ist. Alle Propheten hatten als zentrale Botschaft die Einheit und Einzigkeit (Tauhid) Allahs, dem Schöpfer des Universums und Gestalter des Seins, dem nichts Geschaffenes gleicht.
Wir glauben mit Gewissheit an die Engel; an die von Allah geoffenbarten Schriften; an die Propheten; an den Jüngsten Tag, an dem die Menschen Rechenschaft ablegen werden, und wir glauben an das Vorauswissen und die Bestimmung Allahs über seine Geschöpfe.
Wir betrachten die „fünf Säulen“ des Islam als die Grundpflichten der religiösen Praxis: die Glaubensbezeugung (asch-Schahada), das tägliche fünfmalige Gebet (as-Salah), das Fasten im Monat Ramadan (as-Siyam), die soziale Pflichtabgabe (az-Zakat) und die Pilgerfahrt (al-Hadsch) nach Mekka mindestens ein Mal im Leben.

Freiheit der Religion und Vielfalt der Sichtweisen

Dem Gebot Allahs in Sure 2 Vers 256 („Kein Zwang in der Religion!“) folgend und unterschiedliche Interpretationen und Rechtsschulen (Madhahib) im genannten Rahmen des Islam respektierend, sind die DMK-Besucher einander in der Geschwisterlichkeit des Glaubens verbunden.
Darin gründet sich die Meinungsfreiheit im DMK e.V., die durch die Normen der Schicklichkeit im Umgang miteinander und den Respekt vor Allah und den Propheten begrenzt ist. Diese Meinungsfreiheit ermöglicht es dem DMK e.V. als Plattform für einen innerislamischen Austausch zu verschiedenen islamischen und aktuellen Themen zu fungieren.

Vielfalt als Bereicherung

Diese praktizierte Meinungsfreiheit schließt explizit ein, dass der DMK e.V. sich ausdrücklich nicht einer Richtung, Strömung oder Schule anschließt. Vielmehr bietet er vielen unterschiedlichen Ansichten Raum, soweit diese nicht den o. g. islamischen Grundsätzen zuwiderlaufen.
Dies bedeutet, dass der DMK e.V. seine Haltung zu vielen Fragen und Problemen nach Beratung selbst bestimmt und ggf. auch neu definieren kann. Für Mitglieder und Besucher des DMK e.V. heißt dies auch, dass Meinungsvielfalt auch „ausgehalten“ werden muss, in dem Sinne, dass die Meinung, die von der eigenen abweicht, dieselbe Berechtigung hat, wie die eigene und weder vom Vorstand (Schura) noch von den Mitgliedern/Besuchern eine ausschließliche Richtung innerhalb des DMK e.V. angestrebt wird.

Kein Platz für Extremismus

Im DMK e.V. ist kein Platz für Rassisten, Antisemiten oder Vertreter jedweder extremistischer Gesinnungen. Alle Menschen sind vor Allah gleich, ungeachtet ihres Geschlechtes, ihrer Hautfarbe, Herkunft, sozialen Status oder Bildung. Das einzige wodurch die Menschen sich vor Allah unterscheiden ist die Gottesehrfurcht (Taqwa).

Als Muslime an der Gesellschaft teilhaben

Als Teil der deutschen Gesellschaft und im Bewusstsein unserer Verantwortung vor Allah und für unsere Gesellschaft bringen wir uns konstruktiv in ihre Belange ein und pflegen den interkulturellen und interreligiösen Austausch.
Grundlage dafür ist das Bekenntnis zur freiheitlich demokratischen Rechtsordnung der Bundesrepublik Deutschland, wie sie im Grundgesetz und der Landesverfassung von Berlin niedergelegt ist.
Gemäß dem Vers „Ihr Menschen! Gewiss, wir … machten euch zu Völkern und Stämmen, damit ihr euch kennen lernt.“ (Sure 49, Vers 13) klärt der DMK e.V. über den Islam auf und bietet Informationsveranstaltungen, die sich nicht nur mit muslimischen Belangen beschäftigen, sondern auch über andere Lebensweisen, Kulturen und Religionen sowie aktuelle Themen informieren.
In diesem Sinne streben wir ein friedliches und partnerschaftliches Miteinander von Muslimen der verschiedensten Herkunftsländer, Richtungen und Kulturen, sowie von muslimischen und nicht-muslimischen Bürgern an. Das partnerschaftliche Miteinander im DMK e.V. soll zu gegenseitigem Respekt und zur wechselseitigen Akzeptanz in unserer Gesellschaft beitragen.

Berlin, den 9.12. 2004
Der Vorstand des DMK Berlin e.V.

1 Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde bei allen Bezeichnungen die männliche Form verwendet. Die weibliche Form ist immer mitzudenken.
2 Sinngemäß etwa ‚Schule, die einer bestimmten Methodik anhängt ‚. Dies gilt bezogen auf das Verständnis der religiösen Quellen, anhand derer über die Qualität von Handlungen Aussagen getroffen werden. Derzeit existieren unter sunnitischen Muslimen, die die Mehrheit der Muslime bilden, v. a. vier Schulen: die malikitische, hanafitische, hanbalitische und die schafiitsche Schule, deren Namen von Ihren Gründern abgeleitet wurden. Es gibt weitere Schulen unter den schiitischen Muslimen.
3 Alles was der Prophet gesagt, getan oder zugelassen hat und wie dies in den authentischen Überlieferungen (Ahadith) tradiert wurde.
4 Traditionsgemäß sprechen Muslime nach der Nennung des Namen Gottes die Lobesformel „Er (Gott) ist erhaben.“ (Arabisch: ta’ala).
5 Nach der Nennung des Propheten sprechen Muslime die Segensformel: „Gott segne Ihn (den Propheten) und spreche den Friedensgruß auf ihn.“ (Arabisch: sallallahu ‚alaihi wa sallam).
6 Segensformel: „Friede sei auf ihnen.“ (Arabisch: ‚alaihim salam).